PRESSEMITTEILUNG
NR. 3350
Datum: 29. Januar 2004
GRÜNE wollen Niedersachsen als "Musterland für bürgerschaftliches Engagement" - Landesbedienstete mit Zeitspenden zur Unterstützung der Arbeit von Initiativen und Verbänden freistellen
Eine Offensive zur Stärkung der Freiwilligenarbeit in Niedersachsen haben die Grünen gefordert. Schon unter der Vorgänger-Landesregierung sei die große Bereitschaft zum freiwilligen Engagement gering geschätzt, unzureichend gefördert und durch bürokratische Hindernisse blockiert worden, sagten die Landesvorsitzende Brigitte Pothmer und die sozialpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion Ursula Helmhold am Donnerstag in Hannover. Deshalb sei es zynisch, wenn jetzt angesichts des nahenden Endes von Wehr- und Zivildienst, die Forderung nach Zwangsdiensten erhoben werde.
Mit der Kampagne "In guter Gesellschaft" schlagen die Grünen ein Maßnahmenpaket vor, mit dem sich Niedersachsen zum Musterland für bürgerschaftliches Engagement entwickeln soll.
Mit gutem Beispiel voran gehen soll dabei die Landesregierung, die diejenigen Bediensteten, die im Zuge der Verwaltungsreform keine Aufgaben mehr haben, zur Unterstützung der Arbeit von Initiativen und Verbänden freistellen soll.
Im Einzelnen schlagen die Grünen vor:
Verstärkte Förderung der Freiwilligen Jahre:
schrittweise Verzehnfachung des bisherigen Platzangebots im sozialen, ökologischen und kulturellen Jahr. Ausweitung der Freiwilligenjahre auf neue Tätigkeitsfelder, Bonussystem für Jugendliche (Punkte für Numerus Clausus, Anrechnungszeiten für Pflichtpraktika)
Förderung des bürgerschaftlichen Engagements: Abbau von bürokratischen Hemmnissen, Einführung eines Landesausweises für bürgerschaftliches Engagement, Berücksichtigung von bürgerschaftlichem Engagement bei Einstellungen und Beförderungen, Einrichtung einer Stabsstelle zur Koordination landesweiter Initiativen
Entwicklung der Schule als Lernort für Bürgerengagement
Finanziert werden sollen die Maßnahmen unter anderem durch die Umwidmung der Bundesmittel für den auslaufenden Zivildienst.
Die Grünen-Politikerinnen verwiesen auf die Ergebnisse einer von ihnen in Auftrag gegebenen Studie der Böll-Stiftung, nach der die Freiwilligenarbeit in Niedersachsen zur Zeit von staatlicher Seite unkoordiniert und ohne entsprechende Infrastruktur betrieben wird. Danach liegt das Land im Vergleich der westdeutschen Flächenländer mit einer Quote von 31 % Engagierter am Ende der Skala. "Das Sozialkapital des Landes wird systematisch ignoriert", sagten die Grünen-Politikerinnen, die landesweit mit Veranstaltungen und Informationsmaterial sowie mit einem Entschließungsantrag für die Landtagssitzung im Februar für ihre Initiative werben wollen.
Eine Postkarte zu dieser Offensive ist als Anlage/Link beigefügt