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15. Mai 2007

Fundamentalismus an privaten christlichen Schulen?

Der Richter am Landgericht Bückeburg, Peter Rohde, hat im Gespräch mit der Schaumburg-Lippischen Landeszeitung (veröffentlicht am 12.05.2007) unter anderem gefordert, dass Ehebruch wieder mit Geld- und Haftstrafen bestraft werden solle. Weiterhin forderte er die Erschwerung von Ehescheidungen und dass Mütter sich bis zum 12. Lebensjahr des Kindes ausschließlich um ihre Kinder kümmern und ihre Berufstätigkeit aufgeben sollten. Die Frau müsse bereits vor der Ehe entscheiden: "Will ich heiraten und Kinder haben oder will ich arbeiten?"

Richter Rohde, der einige Zeit bei der Partei bibeltreuer Christen aktiv war, ist Vorsitzender des Förder- und Vize-Vorsitzender des Trägervereins der christlichen Immanuel-Schule in Bückeburg und gehörte zu deren Gründern. Die Schule erhält Finanzmittel des Landes Niedersachsen.

In der Antwort der Landesregierung auf den Beschluss des Landtages vom 20.4.2005 "Den Girls`Day zeitgemäß fortentwickeln – Zukunftstag für Jungen und Mädchen (Drs. 15/1860) legt die Landesregierung ausführlich ihre Vorstellungen dar, wie das Ziel einer chancengleichen Teilhabe beider Geschlechter am Berufsleben zu ermöglichen und zu erreichen sein könne.

Eine besondere Rolle kommt dabei der Schule zu. So legt die Landesregierung unter der Überschrift  "Genderorientierte Berufswahl und Lebensplanung als Lösungsansatz" unter anderem dar:  "Bildungspolitisch und pädagogisch besteht die Herausforderung der kommenden Jahre darin, Mädchen und Jungen dabei zu unterstützen, die selbstauferlegten oder von außen nahe gelegten Beschränkungen durch die eigene Geschlechterrolle zu erkennen und kritisch zu reflektieren. (…)

Dieser Prozess muss sehr früh einsetzen und die gesamte Schulzeit begleiten. (…) Dabei benötigen beide Geschlechter eine pädagogische Unterstützung, die auch auf Fragen der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, der Berufsunterbrechung, auf Probleme des Wiedereinstiegs und der Versorgung von Kindern und älteren Menschen eingeht. Mädchen und Jungen müssen darin bestärkt werden, ihre Zukunft aktiv und partnerschaftlich zu gestalten. Sie sollen auf ein Leben vorbereitet werden, in dem neben dem Beruf auch Familie, Kinder, soziale Bezüge und  Partnerschaft eine Rolle spielen."

Ich frage die Landesregierung:

  • 1. Wie stellt die Landesregierung sicher, dass an staatlich geförderten privaten christlichen Schulen der Auftrag des Grundgesetzes ("Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin") ebenso erfüllt wird wie an anderen Schulen auch?
  • 2. Wann und in welcher Form hat sich das Kultusministerium in der Vergangenheit davon überzeugt, dass in der Bückeburger Immanuel-Schule Kinder zu einem modernen Rollenverständnis im Sinne des Grundgesetzes und des entsprechenden schulischen Auftrags erzogen werden?
  • 3. In welcher Höhe hat die Schule bislang Landesmittel erhalten?

Ursula Helmhold

 

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