

Wortlaut der Kleinen Anfrage
der Abgeordneten Ursula Helmhold und Hans-Albert Lennartz (GRÜNE), eingegangen am
Menschenhandel und Zwangsprostitution im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft 2006
Im Jahr 2006 wird die Fußballweltmeisterschaft auch in Niedersachsen ausgetragen werden. Eine "Begleiterscheinung" solcher Events ist unter anderem die starke Zunahme an Prostitution an den Austragungsstandorten. Deshalb rechnen Menschenrechts- und Frauenorganisationen damit, dass im Rahmen der WM 2006 auch die Fälle von Menschenhandel und Zwangsprostitution zunehmen werden. Diese Erwartung wird unterstützt durch Informationen aus den Herkunftsländern, die schon jetzt verstärkte Rekrutierungen in diesem Zusammenhang melden.
Der Deutsche Frauenrat hat sich in Kenntnis dieser Sachlage im September 2005 an das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes und an die Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gewandt und um Unterstützung im Kampf gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution gebeten. Vom Engagement des DFB und der Spieler wird sich eine spezielle Wirkung insbesondere auf Männer und Jugendliche erhofft, die von bisherigen Kampagnen nicht oder kaum angesprochen wurden.
Die Resonanz auf diese Bitte war sehr verhalten. Lediglich ein Nationalspieler reagierte aufgeschlossen, während das Büro der Nationalmannschaft mitteilte, dass man dem gut gemeinten Appell aus grundsätzlichen Erwägungen nicht folgen wolle. Deutlich ablehnend äußerte sich der DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, der an Bundesfamilienministerin Schmidt schrieb, der DFB und das WM-Organisationskomitee würden sich mit dieser "leidigen Sache" nicht befassen, da man übereingekommen sei, sich im sozialen Bereich auf UNICEF und die SOS-Kinderdörfer zu konzentrieren.
Die Bundesländer haben ein Förderprogramm aufgelegt, das den DFB für gemeinnützige Zwecke im Zusammenhang mit der WM 2006 bezuschusst. Bis 2007 sollen hier allein vom Land Niedersachsen mehr als 3,1 Millionen Euro kommen. Die Mittel sind für gemeinnützige, mit der Veranstaltung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Zusammenhang stehende Maßnahmen und Veranstaltungen zu verwenden, insbesondere Talentförderung, Familiensporttage, kulturelle Rahmenprogramme, völkerverbindende Projekte und Vorhaben im Bereich des Breiten-, Jugend- und Behindertensports. Ein Staatsvertrag, der die Einnahme der Landeszuwendungen an den DFB aus den Oddset-Spielwetten sicherstellen soll, ist dem Niedersächsischen Landtag gerade zugegangen. In den allgemeinen Ausführungen zum Staatsvertrag heißt es wörtlich: "Die in Deutschland stattfindende FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ist ein herausgehobenes gesamtgesellschaftliches Ereignis, das weit über die eigentliche Veranstaltung hinauswirkt." Diese Feststellung trifft auf einhellige Unterstützung bei Organisationen, die mit Menschenhandel und Zwangsprostitution befasst sind.
Ich frage die Landesregierung: