PRESSEMITTEILUNG
Datum: 4. Januar 2008
„Kümmern und Karriere fair teilen!“
Die GRÜNEN Spitzenkandidatinnen Christa Goetsch (Hamburg), Kordula Schulz-Asche (Hessen) und Ursula Helmhold (Niedersachsen) haben heute (Freitag) in Hannover eine Frauenquote für die Besetzung von Spitzenpositionen in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gefordert.

Kurz vor dem Dreikönigstag haben die drei Grünen Politikerinnen eine gleichberechtigte Teilnahme von Frauen und Männern am gesellschaftlichen Leben gefordert. Dies gelte für das Zusammenleben mit Kindern oder die Übernahme von Pflegeaufgaben genauso wie für das Berufsleben. Dafür müssen Berufstätigkeit und Familienaufgaben vereinbar werden.
Im Berufsleben seien Frauen häufig nur auf den unteren und mittleren Ebenen der betrieblichen Hierarchie, nicht aber in Spitzenpositionen anzutreffen. Daher fordern die GRÜNEN verbindliche Quoten für die Besetzung von Führungspositionen durch Frauen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Neben einer paritätischen Besetzung mit Frauen und Männern von Parlament und Kabinett fordern die GRÜNEN Spitzenkandidatinnen auch eine geschlechtergerechte Besetzung von Aufsichtsräten und Gremien.
Kümmern und Karriere fair teilen!
Gemeinsame Erklärung der GRÜNEN Spitzenkandidatinnen Christa Goetsch (Hamburg), Kordula Schulz-Asche (Hessen) und Ursula Helmhold (Niedersachsen)
In einer gerechten Gesellschaft müssen Frauen und Männer die freie Wahl haben, wenn sie Karriere und Familie miteinander verbinden wollen. Ob ein Mensch tagsüber ein Baby wickelt oder eine Firma führt, darf keine Frage des Geschlechts sein. Frauen und Männer müssen an allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens gleichermaßen teilhaben können: an der Pflege ihrer Eltern und Schwiegereltern und an der Erziehung ihrer Kinder genauso wie am Berufsleben. Wer ein Kind versorgt, braucht gesellschaftliche Unterstützung – egal, ob Vater oder Mutter, berufstätig oder nicht. Und wer auch oder stattdessen Karriere machen möchte, darf nicht an gläserne Decken stoßen.
Die berufliche Situation von Frauen in Deutschland zeigt, dass wir davon immer noch weit entfernt sind: Frauen machen seltener Karriere, arbeiten extrem oft in Teilzeit und verdienen 22 Prozent weniger als Männer.
- Bei der Frauenerwerbsquote liegt Deutschland mit 59% im Vergleich der europäischen Mitgliedstaaten an 10. Stelle.
- Andererseits stellen Frauen aber mit 85 Prozent das Gros der Teilzeitbeschäftigten. Innerhalb der EU-15 hat Deutschland neben Großbritannien damit die höchste Teilzeitquote bei Frauen.
- Typische Frauenberufe werden im Schnitt schlechter entlohnt. Denn die Arbeitsbewertung in Tarifverträgen beurteilt Kompetenzen von Frauen generell geringer als diejenigen von Männern.
- Frauentypische" Lebensläufe mit familienbedingten Erwerbsausstiegen, Teilzeitphasen und Tätigkeiten unterhalb der beruflichen Qualifikation vermindern das Erwerbseinkommen stark.
- Selbst bei gleicher Tätigkeit werden Frauen nicht gleich entlohnt, sie erhalten nach Zahlen des WSI-Frauenlohnspiegels auch im selben Beruf in einigen Fällen bis zu 40 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.
- an Hochschulen ist immer noch ein eklatanter Mangel an Wissenschaftlerinnen in Spitzenpositionen zu beklagen. Sowohl in der universitären Forschung und Lehre, als auch in den universitären Gremien sind Frauen bundesweit weit unterrepräsentiert.
- Auch in den Landesregierungen und -Parlamenten liegt der Frauenanteil noch immer deutlich unter 50%.
- Die Aufsichtsräte der öffentlichen Unternehmen und Gremien, die von Landesparlamenten oder -regierungen besetzt werden, leiden ebenso unter chronischem Frauenmangel.
- Frauen bleiben häufig auf den unteren und mittleren Ebenen der betrieblichen Hierarchie hängen, in Spitzenpositionen in der Wirtschaft sind extrem wenige Frauen zu finden. In den Vorständen der 30 DAX-Unternehmen sitzt seit Anfang 2007 gerade einmal eine Frau. Die übrigen 192 Spitzenmanager sind männlich.
Für viele Unternehmen ist eine Führungsposition untrennbar mit einer Vollzeittätigkeit verbunden, so dass sich Frauen weiterhin zwischen Kindern und Karriere entscheiden müssen. Da Frauen Kinder bekommen, wird ihnen die Verantwortung für Familienaufgaben zugesprochen. Dass auch Männer ihre Kinder erziehen könnten, kommt im Weltbild der Führungskräfte nicht vor. Dasselbe gilt für die Pflege von Familienangehörigen. Noch immer werden zwei Drittel der Hausarbeit auf dieser Welt von Frauen erledigt. Eine norwegische Studie belegt: Je stärker sich in einem Land die Gleichberechtigung durchgesetzt hat, desto gerechter wird die Hausarbeit zwischen den Partnern aufgeteilt.
Wir fordern eine andere Politik für Frauen:
- Die Gleichstellung von Frauen in Privatwirtschaft, Politik und Wissenschaft kann nicht länger der Freiwilligkeit überlassen werden. Wir brauchen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik verbindliche Quoten für die Besetzung von Führungsposition durch Frauen.
- Parlament und Kabinett müssen paritätisch mit Frauen und Männern besetzt sein.
- Das Ehegattensplitting muss weg! Das deutsche Steuersystem fördert über das Ehegattensplitting die Alleinverdienerehe - also den Ernährer mit nicht oder nur geringfügig erwerbstätiger Ehefrau.
- Die Einführung eines Betreuungsgeldes ist kontraproduktiv und verhindert die eigenständige Existenzsicherung von Frauen! Das geplante Betreuungsgeld ist eine "Zurück an den Herd"- Prämie
- Ab dem ersten Lebensjahr muss es einen Rechtsanspruch auf eine verlässliche und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung geben. Wenn es daran fehlt, wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Männer und Frauen behindert.
- Wir wollen mehr Professorinnen, mehr Frauenförderprofessuren und mehr Frauen in naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen. Ziel und Leistungsvereinbarungen mit Hochschulen bieten eine ausgezeichnete Möglichkeit, das Erreichen festgelegter Quoten entsprechend zu belohnen.
- Eine geschlechtergerechte Aufsichtsrats- und Gremienbesetzung muss Selbstverständlichkeit werden. (z.b. durch eine Aufsichtsräteinitiative wie in Norwegen)