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„Als 1982 meine Tochter geboren wurde, ließ ich meine Muttermilch testen.“

Was sind Ihre persönlichen Gründe für ein Antreten als Kandidatin bei der Landtagswahl?

Ich habe mich schon immer gerne eingemischt und Probleme selbst in die Hand genommen. Als Politikerin möchte ich natürlich Verantwortung übernehmen, sprich: Regieren. Aber schon in den letzten Jahren, als wir Grünen "nur" in der Opposition waren, konnten wir eine Menge erreichen, zum Beispiel als die Landesregierung das Blindengeld abschaffen wollte. Sie sah sich bald nicht nur von unserer Seite massiver Empörung und schließlich sogar einem Volksbegehren gegenüber – am Ende war es der gemeinsame Kompromissvorschlag der Grünen und des Blindenverbandes, der von der Regierung in die Tat umgesetzt wurde. Dies ist nur eines von vielen Beispielen dafür, dass Niedersachsen eine neue Sozialpolitik braucht, die die Schwachen nicht alleine lässt. Um für eine solche Politik kämpfen zu können, möchte ich wieder in den Landtag gewählt werden.

Warum sollten WählerInnen überhaupt zur Wahl gehen?

Wir Grünen kämpfen seit unserer Gründung für Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, dafür zu sorgen, dass alle jungen Menschen in Deutschland mit den gleichen Chancen in ihr Leben starten. Wer diese Politik unterstützt, kann seine Stimme ruhigen Gewissens den Grünen geben. Und auch wer für erneuerbare Energien statt Atomkraft und neuer Kohlekraftwerke ist; wer sich darum sorgt, ob Niedersachsen weltoffen bleibt und allen Menschen, egal wo ihre Wurzeln liegen, eine Heimat gibt und wer möchte, dass Schulkinder auch dann ein warmes Mittagessen bekommen, wenn ihre Familie nicht dafür bezahlen kann, weiß seine Interessen im Landtag von den Grünen vertreten. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass nicht nur die Menschen, die mit den Grünen sympathisieren, sondern auch alle anderen Demokraten zur Wahl gehen: Die Rechten, in Niedersachsen zum Beispiel die NPD-Anhänger, wählen immer – deshalb macht jede nicht abgegebene Stimme eines demokratischen Wählers ihren Stimmenanteil größer.

Eine einzige Stimme bringt doch eh nix...

Demokratie lebt von Demokratinnen und Demokraten – die regelmäßigen Kreuzchen sind das mindeste, was die Demokratie zum Atmen braucht. Wer wählt, kann auswählen: Atomstrom oder Windräder, getrenntes oder gemeinsames Lernen in der Schule, Solidarität oder eine Gesellschaft von Einzelkämpfern? Natürlich gibt eine einzelne Stimme nicht den Ausschlag für das eine oder andere Lager. Aber am Ende gewinnt eben doch, wer die meisten Wählerinnen und Wähler überzeugen konnte – und deshalb zählt jede einzelne Stimme.

Was hat sie 1985 inspiriert, den Grünen beizutreten?

Als 1982 meine Tochter geboren wurde, ließ ich meine Muttermilch testen. Sie enthielt so viele Schadstoffe, dass eine genauso stark belastete Kuhmilch gar nicht mehr hätte verkauft werden dürfen. Damals wurde mir klar, dass unsere Gesellschaft ökologisch radikal umsteuern muss und dass es dabei auf jeden einzelnen ankommt. Deshalb begann ich, mich politisch zu engagieren und trat schließlich den Grünen bei. 

Warum sollte man Sie wählen?

Die Grünen als Partei sollte man wählen, weil sie als einzige auf den Schutz des Klimas gedrängt haben, als man Wahlen damit noch nicht gewonnen, sondern verloren hat. Wir drehen unser Fähnchen nicht mit dem Wind, sondern treten konsequent für mehr Solidarität und Ökologie ein. Mich persönlich sollte man wählen, weil ich mich mit ganzem Herzen für einen besseren Zusammenhalt unserer Gesellschaft stark mache: für gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen, eine würdige Pflege, für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern.

Alles wird teurer, ich bekomme keinen Ausbildungsplatz und Rauchen dürfen wir auch nicht mehr in der Kneipe. Das hat die Politik verzapft. Ist doch kein Wunder, dass junge Leute nichts von Politik erwarten...

Leider hat keine Partei Patentlösungen für alle Probleme – aber Themen wie die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit liegen den Grünen sehr am Herzen, denn hier geht es um die Lebenschancen tausender Menschen. In ganz Westdeutschland sind 7,1 Prozent aller unter 25-Jährigen arbeitslos, in Niedersachsen sind es aber 9,6 Prozent. Diese dramatischen Zahlen werden wir nicht hinnehmen, sondern streiten für eine bessere Bildung und Qualifizierung und auch für mehr öffentlich geförderte Arbeitsplätze. Aber in der Politik wird oft auch nur mit Wasser gekocht. Wenn junge Menschen Dinge anders und besser machen wollen, müssen sie sich einmischen. Bei den Grünen werden sie mit offenen Armen empfangen.

Ich werde eh bald wegziehen. Oder gibt es gute Gründe, in Niedersachsen zu bleiben?

Niedersachsen ist ein schönes Land – von der Nordsee bis zu den Märchenstädtchen des Harzes, vom Wendland bis zu den Deichen Ostfrieslands – und mit Hannover, Göttingen oder Lüneburg hat Niedersachsen interessante Universitätsstädte zu bieten. Wer nicht gerade jeden Tag frische Weißwürste braucht, um glücklich zu sein, ist in Niedersachsen gut aufgehoben. Aber das Land braucht eine politische Wende: zum Beispiel, damit die Universitäten nicht kaputt gespart, sondern wieder vernünftig finanziert werden, damit die Studiengebühren abgeschafft werden und damit das Betreuungsverhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden sich verbessert.

 

 

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